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Im Garten der Fahnen zu Büchner – Vogelfrei 10


Ausstellung mit der Schauspielerin und Regisseurin Inga Pickel, in deren Garten in der Seekatzstraße in Darmstadt wir gemeinsam die ausgewählten Büchner-Zitate zu meinen Tuschefahnen hängten.

Spätes Licht
wie Wasser
in unserem Garten…

Wenn ich von einem Text, einem Satz, einem Wort, einem Gegenstand, einer Begegnung oder einem Geschehen ausgehe, so ist dies das erste: dass die Sprache versinkt.
Begriffe, Benennungen, Namen versinken, um dem Eigentlichen Raum zu geben.
Ich verlasse den Bereich des Illustrativen, wo das Bild nur eine Wiederholung des Gelesenen oder Gesehenen wäre - und ich gehe tiefer. Ich verlasse das Getrenntsein in „diesen Teil der Welt“ auf der einen und „mich“ auf der anderen Seite. Es gibt niemanden mehr, der etwas beobachtet, der etwas hört, der antwortet auf etwas. Ich tauche ein in das Eine, das „ich“ ist und auch „das da“, das Eine, das ich das reine Leben nenne oder die Urwirklichkeit.
In diesem Raum entsteht spontan, unmittelbar und frei die Spur, der Strich, die Linie - sei es mit Bleistift, mit Tusche oder mit Farbe.
In der Begegnung mit Georg Büchner – in seinem Werk und in einzelnen Sätzen – frage ich in diesem Sinne nach dem Wesentlichen, folge der Spur mit meinem Pinsel auf den Seidenpapierbahnen – was sagt dies aus über das Leben? Nicht nur gesellschaftspolitisch und geschichtlich ist Georg Büchners Werk für mich von Interesse, und nicht nur die Figuren seiner Stücke rühren mich brüderlich an – es ist eine tiefe Erfahrung von Leben bei Georg Büchner spürbar, heranreichend an die spirituelle Erfahrung des unmittelbaren Seins in einem Augenblick.
Dies ist es, was die entstandenen Büchner-Fahnen in einem Garten zwischen den Häusern der Stadt schweigend zu sagen haben...

Sanft schaukelt
im Garten
der Herbst.
Eine Fahne
liegt auf der Luft
lässt sich fallen
sinkt leise
dem Boden zu
wo trockenes Gras
unter der Sonne
duftet -
nach Traum
nach Stille.

Spätes Licht
wie Wasser
in unserem Garten…
Tuschespuren
liegen
auf der Luft
segeln davon
bleiben hier…

Am Gartenzaun
Über die Gedanken des Dichters
redeten wir -
der Wind legte derweil eine winzige Samenkapsel
auf deine Schulter…

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