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Infoblatt 2010

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Heydenmuehle

Als ich eingeladen wurde, bei der Aufführung dieses Singspiels von Mozart in der Heydenmühle mitzuwirken, sagte ich erfreut zu, ging es doch um die Übernahme einer besonderen Aufgabe:

die Erstellung des Bühnenbildes.

Als Künstlerin habe ich es meistens mit eher „handlichen“ Bild-Formaten zu tun. Eher selten arbeite ich auf Formaten von 1,40 x 1,60 (wie bei der Serie „Tomate“, eine Fotoübermalungen mit Acryl aus dem Jahr 2002). Meine Zeichnungen finden sogar genügend „Raum“ auf handtellergroßen Blättern. Bei meinen Performances allerdings, die in Kirchen oder auf Theater-Bühnen stattfinden, male ich mit schwarzer Tusche auf langen Papier-Bahnen oder großen Papier-Flächen, fülle auch ganze Bühnen-Böden. Ich gehe dabei von Gedichten, Geschichten, Psalmen und Gebeten aus oder reagiere unmittelbar auf Klänge, Geräusche, Musik. Ich folge mit meiner inneren und äußeren Bewegung und mit Pinsel und Tusche dem, was ich an Wesentlichem erkenne und erfahre – jenseits der Worte – und in diesem Augenblick.

Für ein Bühnenbild gilt es nun, anders zu „denken“. Das Bild hat eine Aufgabe: es soll der Aussage des Stückes dienen, den Darstellern, der Vorstellung der Künstlerischen Leitung und schließlich dem Blick und dem Erleben des Publikums.

So stand am Anfang meiner Arbeit am Bühnenbild neben der Beschäftigung mit dem Ort der Handlung des Singspiels und mit dem Text das ausführliche Gespräch mit der Künstlerischen und Musikalischen Leiterin Constanze Saltzwedel.

Eine wichtige Frage in diesem Rahmen war unter anderem die, welche Farben die Kostüme haben sollten, und welche Stoffart die Spieler zum Strahlen bringen würde. Meine Entwürfe stimmte ich farblich darauf ab.

Seit Beginn der Probenreihe, nahm ich zudem die besondere Weise wahr, in der Constanze Saltzwedel ihrem musikalischen Anliegen Ausdruck verleiht: wie sanft, freundlich und beharrlich leitet sie die Singenden und Spielenden an und führt sie durch das Stück – fast schwebend, leicht, schwingend und immer aufmerksam in der Begegnung mit jedem Einzelnen...

Der finanzielle Rahmen war bei unserem Projekt genau so wichtig wie der ganz praktische „Rahmen“: wie viele Personen würden die Bühne bevölkern, wie viel Platz würde also die künstlerische Gestaltung des Bühnenraums in Anspruch nehmen können.

So wurde für das Bühnenbild vorgeschlagen, zwei bereits vorhandene Bildträger – kräftige Leinwände von je 6 m x 3 m – zu verwenden, die vor der Bühnenrückwand aufgehängt würden. Darauf, so der Wunsch von Constanze Saltzwedel, sollten der Orientalische Palast, das Meer und der Garten zu sehen sein. Meine Entwürfe ergänzte ich noch durch ein Segelschiff in der Ferne und einen Schmetterling am Himmel – Symbole der Sehnsucht und der Reise...

Dazu kamen zwei Palast-Türme an den Bühnenseiten, die den Blick des Publikums in den Bühnenraum locken würden...

Nach der Abstimmung mit Constanze Saltzwedel und mit Rosemarie Becker, die die gesamte Organisation des Projektes in Händen hält, ging es an die Verwirklichung.

Da das Bild schon aufgerollt nur schwer zu transportieren gewesen war, wurde beschlossen, es erst kurz vor der Vorstellung, bzw. vor den letzten Proben direkt auf der Bühne auszulegen und zu bemalen – und es dann gleich aufzuhängen, damit es keinen Schaden mehr nehmen würde.

So malte ich ab Mitte August an dem großen Bild. Zunächst grundierte ich die ganze Fläche weiß und zeichnete dann mit einem langen Pinsel in grauer Farbe die Skizze, die die Raumaufteilung und die wichtigsten Gegenstände in ihren Proportionen andeutete. Dann legte ich zunächst jeweils ein Drittel des Bildes von oben nach unten mit der hellen Grundfarbe an, die dort vorherrschen sollte, und ließ die Partien trocknen, bevor ich jeweils wieder daranging, die dunkleren Farben darauf zu setzen – mit dem langen Pinsel am langen Arm – bewegt, bewegend, luftig, durchlässig, leichtfüßig, beschwingt – eben „musikalisch“. Manchmal lauschte ich dabei innerlich den Arien des Singspiels... Immer, wenn eine Partie trocken war, konnte ich wieder vorsichtig in Socken darüber gehen (auch über das Wasser !!), um Akzente zu setzen, um Licht und Schatten, Tiefe und Schwung hinzuzufügen...

Übersicht verschaffte ich mir auf der Bühne durch das Erklettern einer Leiter und durch den Weg auf die Empore, von wo übrigens des öfteren ermunternde und bewundernde Rufe zu mir drangen: die Menschen, die dort den Tisch deckten oder Geschirr wegräumten, hatten immer ein paar Augenblicke Zeit, zur Bühne herunter zu schauen und den Fortgang des Bildes zu verfolgen...

Als das Bild fertig war, hingen die beiden Hausmeister die schweren Leinwände an einem Drahtseil auf und zogen es hoch, bevor sie die beiden Teile schließlich in der Mitte zusammenfügten. Dann montierten sie an den Bühnenseiten die beiden langen Platten fest, die zu zwei Palast-Türmen werden sollten, und die ich dazu auf einer himmelhohen Leiter stehend bemalen musste – den linken Turm übrigens mit der linken Hand, da nicht so viel Platz war, die Leiter anders aufzustellen...

Bei einer der Proben wurde noch der Wunsch nach einer Hecke oder blühenden Büschen auf der rechten Bühnenseite wach – dahinter sollte Platz sein für Auf- und Abtritt einiger Spieler und für benötigtes Material, wie z.B. für die Leiter, die ja eine tragende Rolle im Stück spielt (ebenso wie für die malende Künstlerin....). Hellgrüne Tücher wurden also etwas dunkler eingefärbt und zusammengenäht. Dann hing vor mir erneut eine große Fläche, die ich zu bemalen hatte. Die Falten, die sich beim Hängen ergeben hatten, arbeitete ich beim Malen wirkungsvoll mit ein, mischte immer neue Grüntöne und kletterte unzählige Male auf die hohe Leiter... Um die Wirkung einer dichten Hecke zu erzielen, die sich nach oben und zu den Seiten hin auflösen sollte, mussten viele Schichten Farbe in lockeren Spuren übereinander gelegt werden...

Ich wünsche mir nun, dass beim Schauen und Hören die Themen des Singspiels – Sehnsucht und Liebe – alle Herzen erreichen – und dazu möge auch das Bühnenbild beitragen !

heydenmuehle.de
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