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Zeichen am Weg – Begegnungen mit Flüchtlingen


25. und 26. Juni 2016 – Kunst –Projekt „gARTen“ in Roßdorf


Impressionen vom Fahnengarten

Eingeladen von einem der „gARTen-2016“-Schilder betritt der Besucher das Grundstück am Blütenweg. Alsbald führt der Weg zwischen zwei dichten Hainbuchenhecken bergan, die voller gerollter und fähnchenartig angeknüpfter Gedichte an rot-weißem Band hängen. Ein Schild weist darauf hin, dass hier „gepflückt“ werden darf – Blüten der Lyrik – von Octavio Paz über Guggenmos bis zu Gedichten der ausstellenden Künstlerin selbst. Wie Gundula Schneidewind dazu im Gespräch bemerkt, wählte sie Gedichte aus, die von Brüderlichkeit und Verbundenheit handeln.
Das „Wind-Gedicht“ von J. Guggenmos zum Beispiel scheint dabei besonders „leichtfüßig“ überzuleiten zu dem Thema, das die Künstlerin für ihre Arbeit ausgewählt hat:

Der Wind umweht die ganze Welt,
kennt sich aus am Hindukusch ebenso wie in Afghanistan,
lauscht auf Weinen und Lachen der Menschen,
und „übers Haus, über meins und über deins streicht er mit seiner Hand“…

Gundula Schneidewind, die im Asylkreis Roßdorf mitwirkt, sammelte für ihre im Garten ausgestellten Tusche-Spuren Aussagen aber auch Blicke und kleine Szenen, die sie mit den Flüchtlingen erlebte. Sie ließ lange Serien von Tusche-Spuren dazu im Atelier entstehen. Dabei ging es ihr darum, das Wesentliche herauszuhören – zu lauschen auf das, was das Leben selbst zu sagen hat – von Mensch zu Mensch und über alle Unterschiede der Kulturen hinweg. Am Ende dieser Entwicklung stand jeweils eine letzte Spur auf großformatigen Japanpapier-Bögen, die in einer Druckerei, die sich auf solche diffizilen Aufträge spezialisiert hat, auf feines, durchscheinendes Gewebe gedruckt wurden. 15 solcher Fahnen – 15 Lebens-Bewegungen – wehen im Garten und auch hoch über das Haus hinweg über Roßdorf – vielleicht bis nach Afghanistan… Vor den vielfarbigen Blumen bewegt der Wind sie sanft wie Atemzüge. Manchmal schimmern die Rosen hindurch – die tiefschwarze Spur schwebt vor dem intensiv blühenden Garten.

Dieser Kontrast ist es, der die Gartenbesitzerin besonders beeindruckt – der Kontrast des Schwarz-Weiß vor der Vielfarbigkeit des Gartens, aber auch der Kontrast des friedvollen Garten-Raums vor dem Schmerz, von dem einige Fahnen mit ihren Spuren auch erzählen.

Die Garten-Besucher zeigen sich sehr aufgeschlossen und hören aufmerksam an, was die Künstlerin über ihre Kunst und über die Arbeit des Asylkreises erzählt. Einige Fahnen wurden verkauft und breiten nun woanders die „Flügel aus“ – erzählen mit dem Wind vom Menschen, vom Mitmenschen.

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