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Kunst und Kunsttherapie im Gefängnis

Seit 1988 arbeite ich in verschiedenen Gefängnissen mit jugendlichen und erwachsenen Straftätern. Als Künstlerin, als Kunsttherapeutin und als Zen-Lehrerin - was habe ich anzubieten an einem Ort, der geprägt ist von starren Strukturen, von Gefühlen wie Einsamkeit, Verzweiflung, Schuldgefühlen, Zorn - was habe ich anzubieten einer Gruppe von Menschen, die ausgegrenzt wurden "im Namen des Volkes", weil sie gegen Gesetze verstoßen haben, und was kann ich tun für Menschen, die an einem Punkt ihres Lebenswegs angekommen sind, den die einen als den Inbegriff des Scheiterns erfahren, die anderen als einen existentiellen Wendepunkt?

 Schreibprozesse in der Arbeit mit Strafgefangenen

Als ich mit meiner Arbeit begann, überwogen zunächst Mitgefühl auf der einen Seite und Hilflosigkeit auf der anderen Seite, erschien es mir doch nie genug, was ich in den wöchentlichen Malgruppen anbieten und bewirken konnte, hatte ich mir doch nichts weniger vorgenommen, als "Licht ins Dunkle zu bringen"!

Mit den Jahren wurden mir die scheinbaren "Abgründe der menschlichen Seelen" vertraut, ich lernte, dort ohne Angst umherzuwandern, so wie durch meine eigenen Seelentäler, und eines Tages, als ich einen Brief eines meiner "Schützlinge" las, erkannte ich: nicht ich bin es, die " das Licht bringt", sondern - wie ich es in einem Gedicht formulierte:

         "Gott
         ist im Gefängnis
         wenn ich deinen Namen sage
         Ali."

- es genügt, dem Raum zu geben, was in jedem Menschen lebt, auch an dem düsteren Ort Gefängnis: das göttliche Licht selbst.

Alle Methoden, die ich in den künstlerischen Gruppen einsetze, alle Texte, und mein Dasein - vor allem auch in der Meditationsgruppe im Sitzen in der Stille - dienen diesem Ziel: "den Kanal zu öffnen", die Verbindung zu dem innersten göttlichen Sein zu beleben, zu erneuern, zu befeuern, das in jedem einzelnen Menschen vorhanden ist.

In meinen Gruppen sind Männer verschiedener Altersstufen, verschiedener Nationen weltweit, verschiedener Religionen - ich erlebe mit ihnen, wie sich in jedem dieser innerste Kern ansprechen und anrühren läßt und wie sich bei jedem - im Ausdruck des Gesichts, in der Haltung, in seinen Bildern und seinen Texten - zeigt: hier lebt ein ganzer Mensch auf...

Die Strafgefangenen nutzen die Angebote der künstlerischen Gruppen in großer Zahl. Sie entdecken oft erst nach einer Weile der Mitarbeit, wie kostbar die Zeit für sie selbst geworden ist, und daß es viel mehr zu lernen und zu erfahren gab als gestalterische Fähigkeiten. "Ich war eine verlorene Seele in meinem eigenen Gefängnis...", schrieb ein entlassener Strafgefangener. Manch ein Gruppenteilnehmer erlebt zum ersten Mal, was es heißt, ein ganzer Mensch zu sein, als ganze Persönlichkeit gesehen und geschätzt zu werden, sich als ganzer Mensch deutlich ausdrücken zu dürfen und verstanden zu werden, um immer mehr der zu sein, der er zutiefst ist: eine Seele, die dabei ist, zu w e r d e n.

Es kann nicht darum gehen, einen Menschen "ändern" zu wollen, damit er "wieder in die Gesellschaft paßt" - ich ermögliche den Menschen im Gefängnis, sich neu zu erfahren und von da aus über die Welt, die Gesellschaft, die Mitmenschen tiefer nachzusinnen - schließlich dem Leben selbst nachzuspüren, das alles erfüllt und durchströmt, auch in diesem Augenblick - hinter den Gittern, in diesem kahlen Raum, in dieser Runde der Mithäftlinge.

Es gibt auch viel Heiterkeit in den Gruppen - und weit entfernt vom Galgenhumor ist dies ein Lachen, das geboren wird aus der Liebe zum Lebendigsein und aus dem Erfahren des Augenblicks, in dem das genügt: daß es uns gibt - jeden von uns.

Mehr über meine Arbeit findet sich auf der Webseite des Fördervereins der JVA Weiterstadt:
 www.ausblickweiterstadt.de



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