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Zen auf dem Kirchentag 2003 in Berlin

Glitzernd
breitet sich aus
in Wellen, Kaskaden und Strömen
das Gewebe der Wörter
von Rumi und Gott
von Sitzhöckern und Atem
von Paulus und Herz
von Mensch und vom Sein.
Dazwischen
ich
sinke ins Schweigen darunter
wo nichts mehr hält
ich nichts mehr halte
und ohne Furcht
für eine Weile
ist-was-es-ist.

Unter dem Gewebe der Wörter
das Schweigen
ist
was
es
ist.

Berlin

Goldene Kronen
glänzen in der Sonne
über Gerüsten mit Planen
wehend im Morgenwind -
wohin
zeigen die Baukräne ...
Der bunte Ballon
darf nicht fahren
wohin er will
darf nur steigen
so hoch wie er soll
muß wieder landen
so lange das Seil
ihn noch hält...

Dieser Baukran
zeigt auf die goldene Krone
aber ein bunter Ballon
hängt fest
an seinem Seil
muß wieder herunter
seine Fahrt -
noch geht sie nicht los...

Der Baukran
zeigt
auf goldene Kronen
fest hängt
der Ballon
am Seil
noch muß er hier landen
noch geht seine Fahrt
hier zu Ende...

"Ihr sollt ein Segen sein"

Engel über der Stadt
und Baukräne -
Segen bringt dieses Kind:
es läßt seinen Stoffhasen
sitzen
neben mir.

Podiumsdiskussion

Da hinten
kann ich sie sehen
von ferne
einander ähnlich
vielleicht.
Doch die Worte des einen
sind es
die einen Mast in die Halle
pflanzen
daran
wie eine Fahne
"Hier ist es - hier!"

(für Willigis Jäger, Ko-un Roshi)

Kannst du das hören
ganz ohne Zorn... ?
Es genügt
daß ich da bin
und er
und daß es gesagt wird
dieses eine
und -
so !

(für Willigis Jäger, Ko-un Roshi)

Jüdisches Museum - Lied

Am Grunde
jenes Turmes
als die Tür
leise sich schloß
stand ich und atmete
stand ich und wartete
schweigend auf nichts.
Und ich lauschte im Stillen
wie es euch wohl erging...
und es rauschte das Leben
rauschte leise
das Leben
seufzend dahin...

Paris

Während wir nachschauen
wie hoch er ist
der Eiffelturm
zeigt einer
seinem kleinen Hund
das andere Ufer der Seine...

Emberger Alm

Felsen

Der Gesang der Bienen -
seit Urzeiten
begleitet mich
dieser Ton
und wenn es regnet -
immer das gleiche Wort:
D A U E R...

In dieser Rinne
eines Baches
aus Steinbrocken und Fels
fließt nichts
als der sausende Wind
der jeden Grashalm
einzeln
im Kreise bewegt...

Meine Hand
ruht sich aus
und das Grollen von oben -
nur ein Flugzeug diesmal...
Bald
wird ein weiterer Felsen
ankommen
hier in der Senke
wird stürzen, rollen, springen
und sich dem Regen hinhalten
wie dieser hier -
und den Flechten
dem stillen Moos.
Diese Hand da
wird nicht mehr sein...

Ein Felsen
so groß wie ich -
woher kommst du,
Bruder ?

Erstarrtes Urmeer
von Ameisen durchwandert
und mein Blick
verliert sich im Gras.
Schweigen -
nur dieser Vogel
dichtet eine Zeile dazu...

Ich bin eine Form
eine Klarheit
ein Bleibendes
halte mich hin
dieser Zeit mit Regen und Wind...
Nur mein Gewicht hält mich
an meinem Platz
seit ich hier ankam
nach mächtigem Sturz
für eine Weile...

Wanderungen

Der Wind
weht mir entgegen
weht über den Bergsee
schiebt mir in Wellen herüber
        den Himmel
                den Himmel !

Der kleine Punkt dort oben
das mußt du sein -
ob du mir winkst ?
In meinem Herzen
hat sich der Rundweg
schon geschlossen
sehn wir uns wieder
am Hause unten
die Augen klar leuchtend
und unsere Hände
suchen einander...
ich-bin-bei-dir...

Hinter der Hütte
am ausgeblichenen Tisch
- viele Winter
gingen hinweg
über's Dach -
sitzen wir zwischen Felsblöcken
Alpenrosen und Blaubeergebüsch
und wir trinken
trinken darauf, daß es uns gibt
bis ein Winter
eines Tages
über uns hinzieht
sein blasses Tuch:
"Es-war-gut."

Einen Stein tragen
ein Stück Geschichte
ein Stück Gewordenes
in Wellen erstarrt -
ein kleines Boot
auf meiner Fensterbank
erzählt mit der Stimme der Felsen
wie es gewesen
"...als es uns hob -
und als das tobende Feuer -
das Krachen der Steinplatten -
und wie es knirschte..."
        Eine kleine Blume
        fünfblättriger Stern
        zittert im Wind unserer Tage
        wächst
        einen Sommer lang
        die ihr zugemessene Zeit -
        ihre kleine Geschichte vertraut sie mir an -
        ich verneige mich tief.

Zwei Gräser -
der Spinne gelang es
sie zusammenzubinden
und eine Weile lang
wehn sie gemeinsam
im Bergwind.
Die Spinne zog weiter
die Halme -
wieder getrennt.

Der Mensch
im Morgenlicht
reicht einer Lärche
die Hand
dort
weht Vogelgesang vorüber
legt eine Spur
in die Weite -
Grüß Gott !

Meine Hand
und der wehende Zweig -
im Morgenlicht
zieht Vogelgesang vorbei
und dort
vergeht eine Wolke
im Blau...

Morgenlicht in meiner Hand -
Vogelgesang weht dort vorüber
hier lausche ich
bin still
unter dem Himmel...

Zu Hause

Die Schwalben
warfen ihre Flügel ins Licht...
jetzt schweben
in der Dämmerung
die Blüten der Ringelblume.
Dicht beieinander
erzählen sie
leise
vom Tag -
wie das Wasser im Nachbargarten:
unsichtbar
malt es
seine Bögen in die Luft -
die Nacht wird lang...

Mein Blick versinkt
im Weiß einer Tischplatte
und der Abend verhüllt
unseren Garten.
Licht fällt aus dem Haus,
Wasser plätschert im Nachbargarten,
und ein Felsen
irgendwo im Süden
auf einer Alm
spürt jetzt
meine Hand
wie ein Kind
dem die Großmutter sagt
"Nun geh,
du bist müde..."

Mit einem Glas Wein
sitzen
und schauen
wie die Dämmerung
leise
die Welt verschlingt
sinken
mit dem Schlaf der Bäume
und Gräser
und Blumen
ins Erdreich hinab
warten
auf den Vogelruf der Frühe
warten
daß die Zeit
die Zeit
vergeht...

 

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