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In einem alten Haus, das schon lange leer gestanden hatte, war eines Tages ein sonderbares Geräusch zu hören. Die Vögel in den hohen Tannen am Waldrand in der Nähe horchten auf und hielten inne mit ihrem Gesang - für einen Augenblick war es ganz still. Da - wieder war es zu hören: der Ton einer Glocke! Eine Maus, die dich um diese Zeit des frühen Morgens auf den zerborstenen Eingangsstufen zu sonnen pflegte, tippelte neugierig durch einen Spalt in der Haustür ins Innere des Hauses. Nur wenig Licht drang durch die spinnwebenversponnenen Fenster in den Flur, und so sah sie nur schemenhaft den zerschlissenen, nachtblauen Vorhang ganz am Ende, und - er bewegte sich! Jemand oder etwas mußte da sein - vorsichtig zog sich die Maus unter eine wurmstichige Kommode zurück und mußte niesen, denn sie hatte beim Huschen durch die dicke Staubschicht darunter ein Körnchen in die Nase bekommen. Erschrocken verbarg sie sich ganz hinten an der Wand hinter einem der Beine der Kommode. Deshalb sah sie nicht die Frau, die den Vorhang beiseite schob und versunken auf eine große goldene Glocke schaute, die sie mit einer Hand hochhob. In der anderen Hand hielt sie einen schimmernden Klöppel. Mit sanftem Schwung schlug sie die Glocke an - da schimmerte der Vorhang plötzlich, als sei eine Handvoll Sterne darüberhin gestreut - und das Gewand der Frau leuchtete in Regenbogenfarben, und wie eine Welle zogen Blüten und Tiere und Bäume und kleine Seen und Berge darüberhin. Die Frau ging den Flur entlang, öffnete die Tür und verschwand.
Die Maus atmete auf, als sie die Schritte sich entfernen hörte. Sie lief zum Vorhang hinüber unter darunter hindurch.
"Es gibt nichts Besonderes da," berichtetet sie später den Vögeln. Die folgten ihr jedoch erstaunt mit den Blicken, als sie durchs Unterholz davonlief: an ihrer Schwanzspitze glänzte ein winziger Stern.

Ich war im Reich der Dunkelheit

Es war einmal eine Frau.
Es war einmal eine junge Frau.
Es war einmal - der Schwung von Perlenschnüren.
Es war einmal - das Glitzern des Lichts,
        ein schwingender Körper im Tanz,
        das Stampfen zweier Füße,
        und jenes Lächeln!
Die Dunklen - sangen und schlugen die Trommel
und Schritt für Schritt
mußte sie gehen
auf jene Grenze zu
an der die Perlen fallen
wo aller Glanz
verblaßt.
Sie ging -
versank im Dunkel der anderen Seite,
und im Dämmer
versank auch ihr Lächeln,
verstummte der Gesang ihres Lebens
für eine lange Zeit.

Herüber weht
ein Blatt -
golden schimmert's
die dunklen Adern
durchwachsen eine leuchtende Fläche
und wie ein Flügel trägt es
trägt
nichts
trägt sein Gold in die Welt
bevor es
mit der Erde
Wange an Wange
schlafen wird
den lebendigen Schlaf
des allumfassenden Lebens.

Jenes Blatt -
siehst du die Perlen des Taus ?
Und der Gesang goldener Blätter -
nichts
käme dem gleich...
Töne, Trommel,
und rufe,
ich komme.

Und wer den Weg
durch dunkle Nacht
gegangen
und alles ließe
dem wandelte sich in Gold
die Schwärze
der stürbe
doch nicht sich selbst
nur dem
der in ihm suchte
sein früheres Bild...

Zurückkommt
der das Licht trägt
in jener Form
in der er begann zu sein
zurückkehrt
der Gewandelte -
zurückkehrt
das Leben -

In meiner Tasche
das rote Blatt -
älter werden
hier
geht das gut.

(Oktober 2002)

 

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