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Dr. Walter Topperzer
Reisebilder und Innenwelten

Ausstellung in der Hofreite Palmy, Gundernhausen


Walter Topperzer wurde 1937 in Bierbrunn in der Slowakei geboren. 1946 musste die Familie fliehen und kam nach Messbach im Odenwald, wo der Vater die Leitung der dortigen Schule übernahm. 1950 wurde er von dort als Hauptlehrer an die Volksschule Gundernhausen versetzt. Bis 1957 lebte Walter Topperzer also hier in Gundernhausen, bevor er zum Medizinstudium nach Marburg ging.
Wenn Walter Topperzer auch heute als Arzt in Gütersloh in NRW lebt, so ist seine Verbindung nach Gundernhausen doch lebendig geblieben – zum einen durch die Verwandten, die hier wohnen, und zum anderen sagt er von sich selbst, noch heute fühle er sich als Gundernhäuser...!

So ist es für unser Dorf eine besondere Freude und auch eine Ehre, Sie, Herr Topperzer hier nicht nur persönlich, sondern auch mit Ihrer Kunst willkommen zu heißen, mit der Kunst, die sich neben Ihrer beruflichen Tätigkeit als Arzt über die letzten Jahrzehnte hin entfaltet und entwickelt hat !

Wenn wir Bilder, Zeichnungen, Skulpturen betrachten, können wir unterschiedliche Fragen stellen. Ich möchte beginnen mit der Frage nach den Anfängen solcher Kunst – wie kommt ein Künstler dazu, sich künstlerisch zu betätigen, wo und wie wurde seine Liebe zur Kunst geweckt?

Herr Topperzer erzählte mir, dass er den Anfang seiner Liebe zur Kunst in einem Geschenk sieht. Das war ein Geschenk, das die Frau des Gundernhäuser Lehrers Herr Klimesch ihm machte. Als Walter Topperzer sich zum Studium von ihr verabschiedete, schenkte sie ihm nämlich ein Buch über Picasso, in dem Drucke des Meisters abgebildet waren, und der junge Walter Topperzer stellte das Buch aber nun nicht etwa ehrfürchtig ins Regal, nein er nahm es auseinander! ... und hängte die Drucke in seiner Studentenbude auf – die ganze Wand voller Picassos... Seine Zimmerwirtin, die wohl mehr an der Tapete als an der Kunst Interesse gehabt zu haben schien, war davon leider nicht sehr angetan...
...aber in sein naturwissenschaftliches intensives Lernen und Studieren nahm Topperzer also Picasso mit hinein... Ganz offensichtlich war das Aufhängen der Drucke in seinem Zimmer dabei ganz etwas anderes als ein bildungsbürgerliches Dekorieren der Wände, nein – Walter Topperzer scheint, vielleicht zunächst eher im Hintergrund, das künstlerische Denken, Fühlen und Sehen des Künstlers Picasso in sein Leben mit hinein genommen zu haben.

Es sollte jedoch bis zum Jahr 1968 dauern, bis auch das künstlerische Tun eine Rolle in seinem Leben zu spielen begann – zunächst zur eigenen Entspannung und Freude und schließlich - so wie auch heute – zur Freude und zur Inspiration der Betrachter seiner Ausstellungen!

Walter Topperzer hat in seinem Leben auf zahllosen Reisen Eindrücke gesammelt. Kongresse, Fortbildungen und Urlaubsreisen führten ihn mit seiner Frau zusammen in die Welt, und vor allem die asiatischen und die afrikanischen Länder schätzen beide sehr. Natur, Menschen, Architektur und Künste des jeweiligen Landes berührten und inspirierten den Künstler Walter Topperzer ebenso wie die Besuche in Galerien und Museen. Dort studierte er die Bilder und Skulpturen seiner Künstler-Kollegen verschiedener Epochen, und Spuren davon sind in seinen Werken bis heute zu entdecken - das 20. Jahrhundert mit Op-Art und Pop-Art etwa, die kraftvolle Farbigkeit des Expressionismus, der Surrealismus mit seinen hintergründigen, traumartigen Wirklichkeiten...

Diese Ausstellung bietet einen kleinen Querschnitt des Schaffens von Walter Topperzer, so hängen hier auch die Anfangsbilder, die gegenständliche Darstellungen zeigen. Bald jedoch befreite der Künstler sich vom rein Gegenständlichen und überhaupt von dem Motiv, ausschließlich „etwas darstellen bzw. abbilden“ zu wollen. Stattdessen faszinieren ihn die Bild-Elemente selbst: die Farbe, die Linie, die Fläche - Schichten, Schnitte, Ebenen, Strukturen, Spuren - und die Räume, die durch die Dynamik der gestalteten Bildfläche entstehen.

Mit welchem Anlass werden aber nun solche freien Gebilde geboren, die so ganz und gar nicht beliebig wirken, so gar nicht etwa nur wie oberflächliche Spiele mit Farben und Formen ?

Walter Topperzer „notiert“ seine auf seinen Reisen gesammelten Eindrücke auf Postkarten – er skizziert, er malt... er schreibt sozusagen Ansichtskarten an seine Künstlerseele ! Zu Hause im Atelier arbeitet er diese Impressionen aus, vergrößert, verändert, entwickelt die ersten Ideen weiter - und so entstehen die großformatigen Bilder, wie wir sie hier hängen sehen. In dem Bereich oben können Sie ein solches Bild-Beispiel finden – unter dem Titel „Muse“ verwandelt sich eine kleinformatige, feinstrukturierte Collage in ein flächig gemaltes, wohl durchkomponiertes, großes Bild.

Die Collage ist ein interessanter Aspekt seiner Arbeit: der Künstler sammelt auf Spaziergängen oder in Kalendern Papier-Reste, Schnipsel, Ausschnitte, Ausrisse, die er weiter zerreißt - und verwendet sie in seinen Bildern als etwas Neues, etwas, das manchmal wie die Reste von Träumen aufscheint und wieder hinter anderen Schichten und Ebenen verschwindet...
Der Zufall, der Fund, der aufmerksame Blick des Künstlers begegnen hier dem bewussten Gestalten und Weiterentwickeln, und oftmals malt Walter Topperzer die collagierten Flächen wieder ab, wie ich eben zu dem Beispiel oben schilderte, oder er nimmt sich die Farb-Raum-Gebilde vor und bemalt und gestaltet sie weiter. Die Oberfläche wirkt nicht nur haptisch, sie ist die lebendige Spur des malerischen und gestalterischen Prozesses, lässt geheimnisvolle Tiefen ahnen hinter den Schleiern von Gelb und Rot...

So entsteht ein Balanceakt von (Bild-) Wirklichkeiten, die sich im Blick des Betrachters bilden, zerbrechen und wieder neu zusammensetzen... Schauen Sie einmal eine Weile lang auf eines der Bilder (zeigen) – schauen Sie zu, wie die einzelnen Elemente beginnen, sich zu bewegen, bis schließlich alles „an seinen Platz fällt“... Wie eine Vogelschar, die sich niederlässt nach langer Reise... allmählich kommen alle zur Ruhe... hier rührt sich noch ein Flügel, da bläst der Wind ins Gefieder...

Dr. Walter Topperzer und seine Frau sind Deutsche Vizemeister im Standardtanz der A-Klasse – und ich sehe auch hier einen Bezug zu seinen Bildern: schauen Sie einmal zu diesem hier (zeigen) – zart ordnend durchziehen die Geraden das Bild, bringen Harmonie und Gleichgewicht in die farbige Fülle, entfalten eine souveräne Kraft... mich (mein Mann und ich tanzen auch) erinnert das Bild an einen kunstvollen Tanz der Kräfte, in dem alles an seinem Platz ist, jedes auf seiner vorgezeichneten Bahn, alles mit allem in schwungvollem Gleichgewicht - gehalten und geworfen zugleich ...

Nehmen Sie sich Zeit für jedes Bild, spüren Sie Gefühlen und Einfällen nach, lassen Sie Ihre Phantasie spazieren gehen in der Hofreite Palmy mit den Bildern von Walter Topperzer...

...denn : Reisebilder und Innenwelten heißt diese Ausstellung - so laden diese Bilder uns als Betrachter ein, mitzureisen. Aber auch neue Länder sind zu entdecken, neue Aspekte, die der Künstler nicht „hineingemalt“ hat, die aber in jedem Bild, das uns länger als ein paar Sekunden anrührt, enthalten sind !

Karl Keremji schrieb einmal über solche Kunst:

“Wer immer die Wahrheit eines Kunstwerkes sagen will, die das Kunstwerk schon sagt, aber vielleicht nicht in Worten, oder nicht in Worten, die geläufig sind, der muß versuchen, den Mythos des Werkes zu sagen. Nicht seinen abgetrennten Inhalt, als wäre das Werk nur dessen Behälter. Mit dem Abgetrennten wird die Wahrheit des Kunstwerkes nicht mehr gesagt, sondern nur durch die innere Seite im Äußeren (...), die nach außen will und geschieht. Der Mythos, nicht ein bestimmter Mythos, wie der Apollon-Mythos, sondern allgemeiner und doch konkret gefasst, ist die Tiefe des Werkes, vom Ding her gesehen eine zusätzliche Dimension, die auch im oberflächlichsten Werk da ist, als Öffnung nach der Tiefe hin, und die es zum Werk macht...“
(aus: ders., Griechische Miniaturen, Zürich, 1957)


Ich wünsche dieser Ausstellung viele interessierte, aufgeschlossene Betrachter – aus Gundernhausen und aus der Region - und Ihnen, Herr Topperzer, wünsche ich auch im Namen des Forums Gundernhausen weiterhin viel Schaffenskraft, viele Inspirationen – am Wegrand in Gütersloh und anderswo, Inspirationen von außen, von innen - und heute viele anregende Gespräche !

Nun folgt eine kleine Improvisation zu dem Bild dort (zeigen), in dem ich Figuren erkenne, einen verträumten Dichter vielleicht.... schauen Sie und lauschen Sie, was das Kunstwerk zu Ihnen zu sagen hat... !

MUSIK....

Danke für diese wunderbare Ausstellung !

Danke Ihnen, meine Damen und Herren, für Ihre Aufmerksamkeit !
Die Ausstellung ist eröffnet !


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